Montag, 23. Januar 2012

J. Elsässer: 100.000 in Budapest gegen die EU Mafia

juergenelsaesser.wordpress.com/100-000-in-budapest-wir-sind-keine-eu-kolonie


Eine Riesen-Demo am Sonntag in Budapest. Haben Sie diese Bilder in der Tagesschau gestern gesehen? Aber nein, da gab es eine Nachrichtenblockade. Die Aufnahmen stammen vom russischen Staatsfernsehen Russia Today. Welch eine Ironie der Geschichte: Russland, das zu Zeiten des Warschauer Pakts die Ungarn eisern kontrollierte, berichtet heute fair über das Land und unterstützt so sein Streben nach Souveränität. Der Westen hingegen, der sich „damals“ heuchlerisch zum Anwalt des ungarischen Freiheitsstrebens machte, will jetzt Ungarn zu einer Kolonie des EU-Imperiums machen. Eine große Rochade in Ideologie – und Realität: Statt der UdSSR haben wir eine EUdSSR. Und der nominell „rechte“ Premier Orban wird wegen seiner „linken“ Wirtschaftspolitik als „Mischung aus Chavez und Putin“ (Spiegel Online) verteufelt.
Zurück zu den 100.000 gestern in der ungarischen Hauptstadt. Sie zogen mit Fahnen und Spruchbändern vom Heldenplatz zum Parlament. „Wir lieben unser Land, wir lieben Viktor“, stand auf vielen Bannern, zur Unterstützung von Regierungschef Viktor Orban.  Zum Marsch hatten Journalisten und konservative Persönlichkeiten aufgerufen, die der regierenden Fidesz-Partei nahestehen. Spektakulär waren auch Spruchbänder  wie „Hände weg von Ungarn!“ und „Wir werden keine Kolonie sein“.
Die Demonstranten wollten die Regierung gegen wachsende ausländische Kritik, etwa der EU und ausländischer Medien, in Schutz nehmen. Die EU-Kommission leitete jüngst Vertragsverletzungsverfahren wegen dreier Gesetze ein. Orban ist in der EU verhasst, weil die von ihm durchgesetzte Verfassung den Forint aus Landeswährung festschreibt, also einen Euro-Beitritt ausschließt, weil er die ungarische Notenbank nicht der EZB unterstellt und weil er das ausländische Bank- und Spekulationskapital hoch besteuert. 
(Mehr zum Thema Ungarn in der März-Ausgabe von COMPACT-Magazin.)

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